Archiv der Kategorie: 2016 – USA Sundance Film Festival

Soldier Hollow und „This is a train robbery“

Am dritten Tag in Utah hatten wir keine  Verpflichtungen beim Filmfestival und konnten den Tag nutzen, um die Umgebung von Midway, das Heber Valley, zu erkunden. So haben wir herausgefunden, dass hier ursprünglich einmal  80% Schweitzer Einwanderern wohnten. Das hat unsere Schweitzer Koproduzentin Aline gefreut. 🙂

Bei einem Spaziergang im Wintersportgebiet „Soldier Hollow“ im Wasatch Mountain State Park haben wir die Aussicht auf den fast gänzlich zugefrorenen See des Jordanelle Reservoirs genossen – weiß und friedlich. 2002 wurden hier im Rahmen der Olympischen Winterspiele die Langlauf- und Biathlonwettbewerbe ausgetragen. Probleme bereitete manchen Sportlern die ungewohnte Höhenlage von ca. 1.800 Metern.

Am Ende des entspannten Ausflugs wurde es  noch turbulent: Ein historischer Zug fuhr am kleinen Bahnhof von Soldier Hollow ein und eine Räuberin wie aus alten Zeiten, mit Cowboyhut, Revolver und Lasso, steig aus. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählte uns, dass sie professionell mehrmals am Tag Züge ausrauben würde, vom Zugführer jedoch meistens gefangen genommen würde und dann Songs auf ihrer Gitarre spielen müßte, um wieder frei gelassen zu werden. Ihre Schwester hätte den selben Job – und, ach ja, der Zugführer wäre ihr Ehemann. Sie haben sich bei einem Raub kennengelernt. Am Ende empfahl sie uns  ein sehr leckeres mexikanisches Restaurant und fuhr in ihrem Mustang davon – sie hatte an diesem Tag noch einen Zugraub zu erledigen. Andere Länder, andere Sitten…

Preisverleihung: Doppel-Auszeichnung für „Sonita“

Wir sind aus dem Häuschen: „Sonita“ hat nicht nur den Publikumspreis, sondern auch den Hauptpreis (Preis der Grand Jury) in der Sektion „World Cinema Documentary Competition“ gewonnen. Das ist wirklich unglaublich! Wir freuen uns sehr, sind stolz auf das gesamte Sonita-Team und dankbar für die schöne Ermutigung, kantige und kritische Filme abseits des Mainstreams zu machen. Jetzt wird  das Werk die Welt bereisen – und Rokhsareh und Sonita werden sie, die Welt, vielleicht ein wenig ändern.

Hier die offizielle Pressemitteilung: Doppel-Erfolg beim Sundance Filmfestival 2016: Der Dokumentarfilm „Sonita“ der iranischen Regisseurin Rokhsareh Ghaem Maghami, federführend produziert von TAG/TRAUM Filmproduktion Köln, in Koproduktion mit Intermezzo Films Schweiz und der Filmemacherin selbst, wird gleich mit zwei Preisen beim Sundance Filmfestival 2016 in Utah, USA, ausgezeichnet: „Sonita“ gewinnt sowohl den Publikumspreis als auch den Preis der Grand Jury in der Sektion „World Cinema Documentary Competition“.

Nach dem Publikumspreis und dem Preis der Jugendjury bei dem Internationalen Dokumentarfilmfest in Amsterdam (IDFA) im November 2015 sind die US-amerikanischen Auszeichnungen des angesehenen Independent-Festivals erneut ein Zeichen für die Relevanz des Films: „Sonita“ erzählt die Geschichte der Afghanin Sonita, die zwangsverheiratet werden soll. Doch die 18-jährige wehrt sich gegen den Willen ihrer Familie, indem sie in Rap-Songs die Grausamkeit dieser Tradition formuliert.

Sundance Filmtipps

Sundance steht für außergewöhnliche, manchmal etwas verrückte Filme, die nicht von großen Studios (MGM, Paramount, Sony etc), sondern von unabhängigen kleineren Firmen produziert werden. Dieses „Independent“-Kino ist nicht für den Mainstream gemacht, sondern spricht ein Publikum an, das sich auf Experimente einläßt, sowohl was Form, als auch was Inhalt angeht. Hier vier Filmentdeckungen, die ich bei Sundance 2016 gemacht habe:

 

 

 

Mein Sundance Engel 

Lieber Christof, vielen Dank, dass du mich und das Sonita-Team so großartig unterstützt hast. Egal wie die Preisverleihung am Sonntag, 31.01.16 ausgeht, ich habe schon jetzt mit Dir den Hauptpreis gewonnen! Vielen Dank für die tolle gemeinsame Zeit – zum Beispiel bei diesem Morgenspaziergang entlang des Hillside Drive nicht weit von unserem Hotel in Midway.

Park City: ein Mekka für Wintersportler und Filmemacher

Amerikas bekanntestes Independent-Filmfestival findet in der Kleinstadt Park City statt, etwa 45 Minuten von Utahs Hauptstadt Salt Lake City entfernt. Hinter einer Bergkette gelegen ist Park City normalerweise als Skigebiet für die Reichen und Schönen bekannt. Direkt im Stadtzentrum geht einer von zahlreichen Liften ab und transportiert die Wintersportler schnurstracks von der Hotellobby auf den Berg.

Doch wenn einmal im Jahr im Januar die Filmbranche in das ca. 8.000-Seelen Städtchen einfällt, dreht alles um Sundance. Ein Bus-Shuttle-Service bringt die rund 40.000 Festivalbesucher zu Kinos und sonstigen Venues, überall sind Kamerateams und Fotografen, Sponsoren präsentieren sich, es gibt Lounges und Events für die akkreditierten Gäste (Talente, Promis und solche, die es werden wollen), Park Citys Main Street wird mit Lichterketten dekoriert und überall schwirren mehr oder weniger aufgeregte Menschen mit bunten Festivalakkreditierungen um den Hals durch die Straßen. Etwa 12.000 sehr freundliche Freiwillige (Volunteers) sorgen dafür, dass dieses Treiben in geregelten Bahnen verläuft.

 

Getty Images Fotoshooting

Als Stars von morgen (hüstel) wurde das starke Frauenteam rund um den Film „Sonita“ von der Fotoagentur Getty Images fotografiert. Vorher haben uns je eine Friseuse und eine Visagistin unter ihre Fittiche genommen. Das Ergebnis ist für meinen Geschmack ziemlich amerikanisch ausgefallen, aber ein Erlebnis war es alle Mal.

Und hier ist es, das Frauenteam von „Sonita“: Aline Schmid (Schweitzer Koproduzentin), Sonita Alizadeh (Hauptdarstellerin und Rapperin), Rokhsareh Ghaem Maghami (Regisseurin) und Kerstin Krieg (Deutsche Produzentin):

 

Weiße Abwechslung: Schneegestöber

Das Sundance Filmfestival befindet sich mitten im größten Skigebiet der USA. Rund um Park City ragen schneebedeckte Berge auf, die einen kuriosen Kontraste zum geschäftigen  Festivaltreiben und vollen Kinosälen darstellen. Im Skigebiet „Canyon Resort“ haben wir einen Lift gefunden, der uns auch ohne Ski an den Füßen in die Bergwelt trägt – eine willkommene sonnige Abwechslung.

Auch auf flacher Strecke ist die weiße, weite Schneewelt schön. Am letzten Tag gönnen wir uns einen langen Spaziergang entlang des Rail Trails auf einer alten Eisenbahnlinie. Christof ist in den ersten Tagen das schon Anfangsstück gelaufen. Heute setzten wir seinen Spaziergang fort. Auf dem geebneten Weg lässt es sich komfortabel gehen, aber sobald man daneben tritt, sinkt man in Tiefschnee ein.

 

Rückflug

Wir sitzen im Flughafen und warten auf das Boarding. Zuerst fliegen wir nach Atlanta. Nach kurzem Aufenthalt geht es weiter nach Düsseldorf wo wir am Freitagmorgen ankommen.

Rückflug 28./29.01.:
SLC 11:05 –> ATL 16:45 DL 1333
ATL 17:42 –> DUS 8:15 AF 3615

Update: Wir sind sicher in Düsseldorf gelandet.

Virtual Reality ist die Zukunft

Bei Sundance gibt es nicht nur ausgewählte Filme zu sehen, sondern auch die innovativsten und spannendsten Entwicklungen im Bereich „Neue Medien“. Im Rahmen des „New Frontier“-Programms, das in diesem Jahr sein 10. Jubiläum feiert, werden mehr als 30 Virtual Reality Projekte und zahlreiche andere digitale Experimente vorgestellt. Bei einem „Virtual Reality-Experience“ taucht man vollkommen in eine digitale Welt ein, meist mithilfe einer speziellen Brille, Kameras und Sensoren. Das 3-dimensionale Erlebnis hat bislang selten eine gute Geschichte, aber tolle visuelle Eindrücke.

New Frontier Programme auf der Sundance Website