Archiv der Kategorie: 2016 – Ligurien, Italien

Bergroute durch die Alpen

Nach einem letzten leckeren Frühstück    in unserer ligurischen Herberge machen wir uns auf die Rückreise – diesmal nicht die schnelle Variante durch den Gotthard-Tunnel, sondern auf Serpentinenstrassen durch die Alpen. Unser Weg führt uns über Genua und Mailand in die italienische Schweitz. Entlang dem Comer See nähern wir uns dem stolzen Gebirge, die Temperatur fällt, Schneefelder machen sich breit. In steilen Haarnadelkurven schlängeln wir uns auf 1815m hoch und überqueren die Alpen am Malojapass. Leider hängen dicke Wolken am Himmel, so dass man die Spitzen der Berge nur vermuten kann.

Weiter geht’s zum noblen Skiort St. Moritz, der bei Tauwetter gar nicht mehr so elegant daher kommt. Aber es wurde auch heute (03. April) noch Ski gefahren. Mehr beeindruckt die Strecke entlang der Inn bis nach Nauders, auf der uns  das herrschaftliche Silvretta-Bergpanorama begleitet. Jetzt kommt auch ab und zu die Sonne raus.

Dann sind wir auch schon in Österreich und kommen zwischen Landeck und Imst durch das beschauliche Gurgltal. Vor uns weiterhin schneebedeckte Gipfel und im Tal grüne Wiesen mit vereinzelten Holzhütten. Das nächste Highlight ist der Fernpass (1.209m), für den wir noch einmal eine steile Bergstraße hochkurven, vorbei an Schloss Fernstein mit gleichnamigem See. Östlich grüßt das Zugspitzmassiv: Oben am Fernpass haben wir einen unverhüllten Blick auf den höchsten Berg Deutschlands, man sieht die Seilbahn, die Berghütte und das Gipfelkreuz. Dort möchte ich auch mal hinauf. Nun geht es gemächlich nach unten, die Berge reflektieren das warme Licht der tiefstehenden Sonne, die sich wieder dezent hinter Wolken zurückgezogen hat. Endlich erreichen wir Deutschland, lang genug unterwegs waren wir. Christof ist ca. 8,5 Stunden Auto gefahren. Vielen Dank dafür!

Um 19:30 Uhr biegen wir nach Unterdießen ab, wo meine Tante Ellen und Onkel Reiner uns willkommen heißen, meine Cousins Stefan und Mathias und Stefans Freundin Caro sind auch da  – endlich zuhause, also das bayrische Zugause :). Ein schönes Ende für einen schönen (Berg-)Reisetag.

Genua

Heute haben wir die Hauptstadt der Region Ligurien besucht. Der Name Genua ist von dem lateinischen Wort für Knie (genu) abgeleitet und genau dort liegt die Stadt auch, wenn man den italienischen Stiefel vor Augen hat. Genua hat eine glorreiche Vergangenheit als wichtige Handelsmetropole. Der einstige Reichtum der Stadt begegnet uns an vielen Stellen: Herrliche Prachbauten, die zumeist jedoch ihr besten Tage schon hinter sich haben (außer eine der großen Banken hat sich darin niedergelassen). Dass Genua Weltkulturhauptstadt 2004 war, hat leider kaum geholfen, denn viele der Gebäude sind teils verfallen, nur wenige aufwendig saniert. Dennoch hat diese Stadt eine besondere Ausstrahlung, die man erst auf den zweiten Blick entdeckt.

Casetta Cerisola Agriturismo

Unsere Unterkunft befindet sich in Cerisola, einem hochgelegenen Stadtteil von Zoagli, mit ca. 25 Einwohnern und einer Kapelle für den heiligen Pellegrino. Es ist ein „Agriturismo“-Betrieb, also gleichzeitig Touristenunterkunft und biologische Landwirtschaft: hier vor allem Oliven, Olivenöl und Weißwein. Unser Gastgeber hat das Anwesen toll hergerichtet und betreibt die Herberge seit 2003. Auf dem Frühstückstisch landen die Früchte aus dem eigenen Garten. Wir genießen die tollen Kiwis, Kumquats und Oliven und die Marmeladen aus eigener Herstellung lassen unsere Herzen höher schlagen. Würden nicht die vielen Küstendörfer rufen, würden wir einfach mal einen oder zwei Tage im Garten verbringen. Im Schatten des Zitonenbaums kann man bestimmt hervorragend entschleunigen.

Heute Abend essen wir in der Unterkunft. Der Vater des Gastgebers stellt sich in die Küche und bereitet uns ein leckeres regionales Essen. Wir sind gespannt.

Cinque Terre

Wie jeder anständige Ligurientourist besuchen wir die Cinque Terre, die fünf Erden. Gemeint sind die fünf malerischen Dörfer Monterosso al Mare, Vernazza, Corniglia, Manarola und Riomaggiore.

Unser Ausflug beginnt am Friedhof von Levanto wo wir das Auto zurücklassen. Am Bahnhof besorgen wir uns Tagestickets für die Bahnstrecke zwischen den fünf Dörfern und erreichen nach kurzem Sprint den Zug nach Monterosso.

Monterosso ist das größte Dorf der Cinque Terre. Es bietet die beste Infrastruktur, aber am wenigsten Flair. Nach kurzem Aufenthalt mit Gelato fahren wir weiter nach Vernazza.


In Vernazza klart das Wetter deutlich auf und die Sonne auf unserer Haut fordert regelrecht, dass wir bis zum nächsten Dorf wandern. Der Weg folgt der Küstenlinie. Wir überwinden ca. fünf Kilometer und 217 Höhenmeter. Der Pfad ist von Olivenhainen gesäumt. Zwischen den Bäumen sind die Netze der Fischer zum Trocknen gespannt. Als wir in Corneglia ankommen freuen wir uns über eine Zitronenlimonade, eine Ministrone und die vielen engen Gässchen, für die der Ort bekannt ist.

Weiter geht es nach Manarola. Wir nehmen wieder den Zug. Wegen einer Verspätung müssen wir etwas Wartezeit am Bahnhof von Corneglia hinnehmen. Kerstin meint, man könne auch weniger schön warten.

Manarola ist für heute der letzte Halt. Zu sehr haben wir getrödelt. Vielleicht schauen wir uns Riomaggiore an einem anderen Tag an.

 

P.S.: Seit der Weberei hat Kerstin einen Bömmel an der Kamera.

P.P.S.: Während der Wanderung haben wir uns gefragt, wie schwere Sachen (Möbel oder Baumaterial) zu den Olivenbauern in den Hängen transportiert werden. Am Bahnhof von Manarola haben wir es erfahren.

Sestri Levante und Zoagli

Wir sind weiter gereist und haben unsere nächste Unterkunft bezogen. Sie schmiegt sich an den Hügel oberhalb von Zoagli und bietet einen wunderbaren Blick auf den Küstenort und das Meer.


In Zoagli haben wir schon ein echtes Highlight erlebt. Wir haben bei der Weberei geklingelt und uns von einer alten Frau auf rastlosem Italienisch erklären lassen, wie die traditionellen Webstühle funktionieren. Viel verstanden haben wir nicht. Nur soviel: Um 23 cm Samt zu Produzieren braucht es einen ganzen Tag.

Zum Abendessen zog es uns nach Sestri Levante. Die Stadt ist für ihren tollen Strand und die schöne Altstadt bekannt. Beides haben wir ausführlich erkundet.

San Fruttuoso

Die Abtei von San Fruttuoso di Capodimonte liegt unweit von Camogli an der Riviera di Levante. Das Kloster kann nur zu Fuß (2 1/2 Stunden Marsch) oder mit dem Boot erreicht werden. Wir sind faul und fahren mit dem Boot. Die Überfahrt von Camogli dauerte etwa 30 Minuten.
In der Bucht wurde eine Christusstatue auf dem Meeresgrund versenkt. Sie ist bei Tauchern sehr beliebt. Uns bleibt sie leider verborgen.

Camogli

Wir sind in der kleinen Stadt Camogli angekommen. Die 6000-Seelen-Ge­meinde liegt am Ran­de der Halbinsel Portofino. Der bezaubernde Stadtkern des ehemaligen Fischer- und Seefahrer­städt­chens liegt direkt am Meer. Besonders gefallen uns die bunten Häuserfassaden und die engen Gassen.

Wir übernachten im Hotel Cenobio dei Dogi. Die Terrasse mit Meerblick ist der Hammer. Dort sitzen wir und schauen der Sonne beim Untergehen zu. Sobald sie im Meer versunken ist machen wir uns auf den Weg zum Abendessen. Morgen besuchen wir vielleicht San Fruttuoso. Der Reiseführer hält das jedenfalls für eine gute Idee.